skip to content

Suche

Article and News

Seele auf Leinwand - Nachruf

Seele auf Leinwand - Nachruf

Der Jagd- und Naturmaler Willi Herr verstarb am Karfreitag 2017 in seiner Heimatstadt Diez an der Lahn.

Zeichnen und Malen waren für Willi Herr schon von früh an die große Leidenschaft. Heute gehört der Künstler zu den angesehenen Jagd- und
Naturmalern Deutschlands.
 
Weiterlesen

Ein etwas anderer 1.Mai

In der beizjagdlosen Zeit haben wir Falkner etwas mehr Muse, uns um alltägliche Dinge zu kümmern, auch wenn trotzdem Volieren ausgebessert werden müssen und die ersten Paare brüten. Doch auch für „Gesellschaftliche Beziehungen“ bleibt etwas mehr Zeit. So hatte ich am 1. Maifeiertag mit Freunden eine kleine Wanderung unternommen und wollte mit ihnen einige schöne Stunden verbringen. Soweit der Plan, bis mein Handy klingelte.

Weiterlesen


Seele auf Leinwand - Nachruf

Veröffentlicht von Christian Dutschun (cdutschun) am May 06 2017
Berichte >>

Der Jagd- und Naturmaler Willi Herr verstarb am Karfreitag 2017 in seiner Heimatstadt Diez an der Lahn.

 

Zeichnen und Malen waren für Willi Herr schon von früh an die große Leidenschaft. Heute gehört der Künstler zu den angesehenen Jagd- und Naturmalern Deutschlands.

 

 
 
Am 7. Oktober 1937 in Diez an der Lahn geboren, waren „Freizeit und Hobby“ in seiner Kindheit Fremdworte, Stifte und Zeichenblock galten als wertvolle Schätze. Aber wenn sonntags Schule und Arbeit ruhten, verzog er sich am liebsten in den Garten und zeichnete.
 
Später, während seiner Lehre zum Kaufmann und Dekorateur in Frankfurt, lernte er, mit Acrylfarbe Schaufenster-Blickfänge auf Sperrholz zu malen und auszusägen – ein weißbärtig lachender Nikolaus und eine Bikinidame mit Werbebotschaft waren seine ersten „großformatigen Werke“.
 
In dieser Zeit machte Willi Herr einen Ausflug mit Freunden. In einem kleinen Hotel an der Aar machten die jungen Männer Rast, um sich zu erfrischen. An einem Tisch saß ein zeichnendes Mädchen. Willi setzte sich zu ihr, nahm ein Blatt und zeichnete ebenfalls. Ein paar Jahre später war das Mädchen nicht nur seine strengste Kritikerin sondern auch seine Ehefrau.
 
Nach abgeschlossener Ausbildung bot sich im heimatlichen Diez die Übernahme eines kleinen Schreibwarengeschäftes an. Das Ehepaar Herr hatte wenig Zeit für die Kunst, denn neben dem Geschäft galt es, die drei Töchter groß zu ziehen. Heute würde man sagen, er hatte Stress. Immer wieder zog es den jungen Vater zum Ausgleich in die Natur, wo er sich wohl fühlte und Kraft schöpfen konnte. Freunde nahmen ihn immer öfter mit zur Jagd und ermunterten ihn schließlich, selbst die Jägerprüfung abzulegen.
 
Das war im Jahre 1968. Die Jagd und - für ihn untrennbar damit verbunden - die Liebe zur Natur haben seinen Lebensweg seither maßgeblich geprägt.
 
Die ersten jagdlichen Erfolge schmücken noch heute das eigene Wohnzimmer. Viel wichtiger als Trophäen waren ihm jedoch die Menschen und Erlebnisse dieser fünf Jahrzehnte.
 
Auf der Suche nach einem Urlaubsort, den er mit seiner neuen Freizeitbeschäftigung verbinden könnte, stieß er in einer Jagdzeitschrift auf eine Annonce aus Österreich. Dort warb eine Berufsjägerfamilie für ihre Gästezimmer im Bregenzer Wald. Auf die ersten vierzehn Tage Ferien in Mellau folgte ein jährliches Wiedersehen. Die Männer verband bald eine tiefe Freundschaft, die mit wenigen Worten auskam. Gemeinsames Ansitzen auf
Reh- und Rotwild oder in winterlichen Vollmondnächten auf Fuchs und Marder, aber auch die Wild- und Forsthege, das Arbeiten mit Holz waren für
Willi Herr der Inbegriff von Erholung.
 
Dem österreichischen Berufsjäger war aufgefallen, dass sein deutscher Begleiter oftmals einen Skizzenblock dabei hatte und beim Ansitzen die Szene auf Papier festhielt. So bat er ihn, für ein Berufsjägerjubiläum eine Scheibe mit Gamsmotiv herzustellen.
 
Das Malen auf Holz machte Willi Herr besondere Freude und so begann er, sich mit der alten Tradition der Ehrenscheibenmalerei zu befassen und bediente bald auch ausgefallene Wünsche. Die Darstellungen variieren von der üblichen Schützenscheibe mit Sau, Hirsch oder Auerhahn bis hin zu wertvollen Ehrenscheiben, die besondere Jagderfolge oder auch schon mal ganze Lebensgeschichten in Bildern und Symbolen erzählen.
 
 
Durch diese erste Schießscheibe war die Verbindung zwischen Malerei und Jagd geschaffen. Willi Herr begann, Wildmotive und Jagdszenen auf Papier, dann - zunächst noch zaghaft - auch auf die Leinwand zu bringen. Dabei war ihm der niederländische Jäger und Maler Rien Poortvliet immer ein großes Vorbild.
 
Inzwischen waren die Töchter erwachsen geworden und Ehefrau Gretelore begann, sich wieder dem Zeichnen zu widmen. Um ihre leicht eingerosteten Talente in Gang zu bringen, belegte sie Kurse bei verschiedenen Künstlern. Angespornt durch ihre Fortschritte beschäftigte sich auch ihr Mann wieder intensiver mit der Malerei. Vor allem die Seminare bei dem amerikanischen Portraitmaler Tom S. Buechner in der Sommerakademie Frauenau bezeichnete Willi Herr als Meilensteine in seiner künstlerischen Entwicklung.
 
Die beiden Leidenschaften Jagd und Malerei ergänzten und befruchteten sich fortan gegenseitig. Durch die Malerei wurde er zu Ausstellungen eingeladen, durch die Ausstellungen lernte er wiederum Jäger und Naturfreunde kennen, die ihrerseits Ausstellungen für seine Bilder organisierten.
 
Mit Jan-Nico machte Willi Herr am niederländischen Ijsselmeer Streifzüge auf Enten, Hasen und Tauben – und lernte von dem Sägewerksbesitzer eine Menge über Holzverarbeitung. Ein Großteil des Holzlagers für die Ehrenscheiben stammt von dort.
 
Petr aus Prag ging mit ihm in den tschechischen Wäldern auf Weißwedel und ließ letztes Jahr bereits den zweiten Ehrenscheiben- Geburtstagskalender in seinem Rembrandt-Verlag erscheinen. Den Jagdausflügen auf Enok und Biber mit Czeslaw im Nordosten Polens folgte eine Gemeinschaftsausstellung mit befreundeten Künstlern an der litauischen Grenze.
 
Willi Herr war es nach eigener Aussage wichtig, mit seinen Bildern die Schönheit der Natur zu zeigen. Er legte großen Wert auf handwerkliches Können und eine möglichst naturalistische Darstellung. Die Motive spiegeln oft eigene Jagderlebnisse, sodass die Gemälde im Betrachter wiederum das Jagdfieber wecken. 
 
Auf seine „alten Tage“ wagte er aber auch hin und wieder Neues. Neben seiner Ehefrau Gretelore spornte ihn vor allem Tochter Christine Herr-Tropp an, die als Kinder-Portraitmalerin erfolgreich ist. So bewies er unter anderem mit seiner Ausstellung „Wild im Bild“ im Geranienhaus des Nymphenburger Schlosses in München Sinn für die eher unscheinbaren aber dennoch bemerkenswerten Momente in der Natur. Spannend wie im Krimi zum Beispiel der Fuchs, der in lebensgroßer Nahaufnahme um das ahnungslose Mäuschen schleicht. Oder Meister Lampe, der in der Hasenjagd den verdutzten Treibern ein Schnippchen schlägt. Auch mit seinem „Aussteiger-Hirschen“, der sich’s - aus dem Rahmen herab gestiegen - auf dem darunter stehenden Sofa gemütlich gemacht hat, zeigte er einen unverkrampften Umgang mit dem klassischen Genre. 
 
 
Seine überdimensionalen Tierportraits wiederum zeichnen sich durch die einerseits naturgetreue Wiedergabe des Wildes und andererseits den farblich reduzierten Hintergrund aus, was ihnen eine moderne Note verleiht. Die Teilnahme an hochrangigen Gemeinschaftsausstellungen wie „Wild in de Natuur“ in Enschede, „Art und Vielfalt“ in Magdeburg oder der „MoVo“ (Moderne Vogelbilder) in Halberstadt galten dem Künstler als besondere Auszeichnung. 2006 wurde ihm der Nassauer Kulturpreis der interdisziplinären Kulturforschung verliehen. Den Kulturpreis seiner Heimatstadt Diez an der Lahn teilte er sich 2007 mit seiner Gattin, die als Portraitzeichnerin und Fotokünstlerin bekannt ist.
 
Viel Zeit verbrachte Willi Herr mit Pinsel, Farbe und Leinwand in seinen Arbeitsräumen in einer ehemaligen Kaserne. „Atelier“ wollte er nicht sagen. „Das klingt so hochgestochen. Aber wenn ich dort arbeite, vergesse ich, zu essen und zu schlafen.“ Am 14. April verstarb Willi Herr nach schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie. Bei der Trauerfeier sagte der tschechische Freund Petr Šeplavý: „Willi lebt in seinen Bildern. Er hat seine Seele auf die Leinwand gebracht.“
 
Die ursprünglich für den Mai vorgesehene dritte Familienausstellung in Diez mit Ehefrau Gretelore, Tochter Christine Herr-Tropp und Enkelin Elisabeth Menner, die das Talent nun in dritter Generation zeigt, wird laut Familie zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
 
 
www.bilderherr.de | info@bilderherr.de

Zuletzt geändert am: May 06 2017 um 8:57 AM

Zurück